Zu: https://twitter.com/kusanowsky/status/445275848606613504 , bzw:
"Kommunikation ist der sinnhafte Austausch zwischen Menschen, ausgerichtet auf Verständigung. Dabei sollten die Formen und Inhalte nicht übermäßig standardisiert sein. Sie sollten Unerwartetes, Anweichendes, Einmaliges enthalten, denn werden sie zu formelhaft, schwindet die Aufmerksamkeit und die Kommunikation bricht ab. ..." http://twitpic.com/dyiu22
Natürlich ist Kommunikation gerade kein Austausch! Und natürlich "enthält" Kommunikation auch nichts, zumindest keine Bedeutung. Sondern Kommunikation erzeugt/provoziert Bedeutung "in" den an Kommunikation beteiligten psychischen Systemen. Wie wir alle Wissen entsteht die Bedeutung aus der Art und Weise der wechselseitigen Verwendung von Worten.
Der Ausschnitt bedient paradehaft so ein Sender/Empfänger-Modell von Kommunikation. Nach dem Motto: Es gibt einen Sender, der etwas sagt und das gesagte enthält Inhalt, dass beim Empfanger ankommt und dort (wenn dieser alles "richtig" macht) im Sinne des Senders verstanden werden kann. Das ist heute offensichtlich als Unsinn zu erkennen. Denn: offensichtlich ist es nicht der Sprecher, der die Bedeutung des Gesagten bestimmt, sondern es ist der Zuhörer, der aus der aus seiner Geschichte in der Sprache dem Gesagten Bedeutung zuweist (Und das gilt für beide Seiten). Am Anfang war nicht das Wort, sondern jemand, der es als solches unterschieden hat. Diese Perspektive macht einen gravierenden Unterschied.
Natürlich ist Unerwartetes, Abweichendes, Einmaliges auch interessant (und auch unabdingbar). Zumindest wenn es nicht zu unerwartet, abweichend ist, sonst würde es garnicht verstanden. Andererseits, wenn es garnichts Unerwartetes gibt, dann entstehet quasi keine Information; man wiederholt dann nur. Boring! Insofern ist jede Kommunikation ausgelegt ist auf diese Spannungsfeld angewiesen: Nicht nur Neues (dann würde es unverständlich), nicht nur Wiederholung (dann gibts keine Information). Streng genommen würde nur Neues ja auch bedeuten Fantasielaute von sich zu geben, die man weder selbst, noch der andere verstehen kann. Und streng genommen ist es garnicht möglch etwas exakt zu wiederholen (schon, weil man sich in der Zeit bewegt). Was der Ausschnitt oben ansprechen möchte sind wohl bestimmte Schemata, bestimmte Formate, also bestimmte Rahmen, die durch diese Differenz aus Neu/Wiederholung funktionieren. Das tut der Auschnitt aber auf eine derart derbe Weise, dass es auf mich leicht verdummend wirkt (zumindest für die Leute, die das Gefühl haben in dem Absatz steckt etwas Interessantes).
Wenn nun Sprecher (Schreiber) und Zuhörer eine bestimmte Geschichte in in einer Sprache haben, dann kann man natürlich sowas wie in dem Ausschnitt oben schreiben und beide müssen nicht unbedingt sehen, dass das Sender/Empfänger-Modell, bloss eine verdummende Vereinfachung des Kommunikationsgeschehens ist und nicht das Kommunikationsgeschehen als solche plausibel beschreiben kann. Alles was an Kommunikation faszinierend ist geht verloren (bzw. wird in so einen Mythos des Künstlers/Genies geschoben, der es irgendwie schafft Aufmerksamkeit zu binden). Letztlich sagt der Ausschnitt obend aber nicht mehr als: "Der Himmel ist blau". Das aber im Gewand intellektuell und wissenschaftlich klingenden Worten. Oder anders: Er sagt: "Interessantes ist gut gemacht, weil es nicht zu langweilig ist." und das eben so klingend als ob es irgendetwas mit Kommunikationstheorie zu tun hätte.