Betreff: Das Netz ist die Hölle der neuen Welt https://twitter.com/kusanowsky/status/509321037163802624
Ich stimme Herrn Bazon Brock in in quasi allem zu. Nur nicht in seiner Schlußfolgerung.
Universitäten sind schon lange (nun allerspätestens seit der Bolognese-Reform) nun echt kein Hort der gemeinsamen Wissenschaft mehr, sondern eher eine verschulte Ausbildungsveranstaltung, bestenfalls eine Art verschulte Hochschule geworden. Dazu gibt es noch x andere Entwicklungen, die es schon länger gibt, die Uni eben genau das nicht sein lassen, was sich Bazon Brock dort wünscht. Das ist ein Grund warum ich nach meinem Abschluss die Uni verlassen habe. Quasi Wissenssachbearbeiter in einer verschulten Uni ist nun echt das Gegenteil von dem was ich mir unter Wissenschaft vorgestellt habe. Ich hätte mir eher eine Art Kaffeehaus-Elfenbeinturm gewünscht in dem gemeinsam, standartmäßig interdisziplinär und frei geforscht werden kann. Viele Disziplinen wären dazu mehr als geeignet (wenn nicht geradezu dafür gemacht). Aber OK, das ist so.
Ebenso mag es sein, dass das Peer-Review-System kaputt ist, weil keiner mehr Zeit hat zu lesen, denn seinen eigenen Stuhl zu halten und entsprechend tausend und einen Artikel zu schreiben.
Das wäre fatal, weil Wissenschaft nun eben nicht auf Vertrauen beruht, sondern letztlich auf einem (wo und wie auch immer stattfindenden) Peer-Review-System.
Wie auch immer, nun zu dem Schluß des Bazon Brock, den ich nicht mitgehe:
Sein Höllen und Gulag- Ding hätte man genauso damals zur entstehenden Buchwelt sagen können. Und Bazon Brock weiss das auch. Nun mag ein Problem sein, dass viele Wissenschaftler tatsächlich nichts im Netz schreiben (oder nur versteckt unter Pseudonym) und dass deswegen auch hier noch nichts gescheites zustandekommt. Er schreibt glaube ich nicht umsonst: "Die Vernetzung selbst besagt gar nichts. ". Und verteufelt damit auch nicht die Technologie, sondern die Nutzung. Und die kann man inder Tat kritisieren.
Ich glaube auch, dass es wieder "echte" Unis geben sollte, so wie er sie beschreibt... so mit einander räumluch einigermaßen Nahen Menschen! Aber das so zu formulieren, als wäre es eine unumgägliche Voraussetzung für Wissenschaft insgesamt.... das halte ich für zu sehr überzogen.
Meiner Meinung nach - zumindest für Wissenchaft insgesamt- bewertet Bzon Brock hier die Anwesenheit way too much. Ich stimme schon überein, dass es "räumliche Kerne" geben muss, wie er sie sich wünscht. Denn Uni heute sind diese Kerne nicht mehr! Das ist aber ein Problem der Unis/Unipolitik und nicht eines des Netz.
Meine Meinung:
Ja, Unis (wie man (hier Bazon Brock) sie sich wünscht) sind kaputt.
Ja, das Internet ist keine Lösung dieses Problems.
Ja, das Internet ist unpersönlich (kann aber schon persönlicher sein als damals Briefwechsel).
Ja, Wissenschaft braucht auch räumliche Kerne (alla Bazons Vorstellung).
Aber Nein, das Netz ist weder die Ursache, noch das Problem, noch die Hölle oder ein Gulag (bzw. auch nicht das Gegenteil, Sondern eben "Die Vernetzung selbst besagt gar nichts. ".
Nein, im Grossen und Ganzen machen räumlich persönliche Beziehungen höchstens 50% des Kuchens und sind hier sehr überbewertet.
Insgesamt kann ich ihn aber verstehen, Denn die Tatsache das Unis in seinem Sinne kaputt sind, das ist ein großer Schaden. Das ist aber ein gesellschaftliches und vor allem politisches Problem ... und das "Internet als Totenreich"-Ding schlägt da einfach neben den Nagel.
Es ist letztlich ein Skandal, dass Unis heute so laufen wie sie laufen ... im weitesten Sinne als Ausbildungs und Forschungseinrichtung der Wirtschaft.... und eben nicht so wie Bazon Brock das mit seiner Akademie umsetzen möchte ... Aber was das Netz damit zu tun hat, das ist mir völlig unklar geblieben..